2004

Zurück Nach oben Weiter

 

Nach dem Maitörn 2003 habe ich BAZILLUS aus dem Schweizerischen Jachtregister löschen lassen. Ich hatte genug von den jährlich ändernden Formalitäten und Zollabgaben, die jedes Mal Tage in Anspruch nahmen und wollte nach dem Rat von griechischen Freunden eine Griechische Flagge erlangen. Ein neues Gutachten bestätigte, dass BAZILLUS auch nach 14 Jahren Hochsee noch in ausgezeichneter Verfassung ist. Dutzende von verschiedensten Formularen wurden ausgefüllt, eine neue Versicherung(Helvetia/Patria war nicht europatauglich)wurde abgeschlossen. Doch auch diesmal konnten die bürokratischen Hürden in Griechenland nicht überwunden werden......im Februar entschloss ich mich das Ganze abzublasen und beantragte wiederum die Schweizerische Flagge. Dank dem freundlichen Entgegenkommen von Frau Singenberger vom Schweizerischen Seeschifffahrtsamt erhielt ich sehr rasch die entsprechenden Papiere. Sophia Eliades von der Cleopatra Marina löste die griechischen Zollformalitäten "on the greek way". Ef charisto.

So konnten wir am 23.April mit den Arbeiten an BAZILLUS beginnen. Letztes Jahr hat unser Schiff ein neues Deck erhalten, heuer war die Aussenhaut an der Reihe. Die blauen Punkte von Max Strebel waren nach 10 Jahren verblasst und beschädigt, ein neues Design von Mike Stillhart sollte eine neue Epoche von BAZIILUS & Co eröffnen. Zusammen mit Meinrad Gyr haben wir die Aussenhaut geschliffen und gereinigt und im strömenden Regen wurde unter Plachen das neue Design aufgeklebt.  Am 26. April war das Werk vollendet, stolz präsentierte sich BAZILLUS in neuen  Farben. Noch am selben Tage musste Mike aus geschäftlichen Gründen Griechenland verlassen. Im Herbst ist ein gemeinsamer Törn geplant.

Der Künstler und sein Werk

 

Am 27. April war dann die Wasserung, wie immer ein besonderer Augenblick. Meini und ich genossen die ersten Stunden mit herrlichem Segeln von Preveza nach Lefkas. Wir begegnetem zum vereinbarten Zeitpunkt Anastasia mit ihrem Skipper Jürg Landolt, die nach 670 Seemeilen von Trieste an diesem Tage an ihrem Ziel in Griechenland ankam.

Meini träumt 

Begegnung mit Anastasia

Gemeinsam fuhren wir durch den Lefkas-Kanal nach Lefkas Stadt und machten in der dortigen Marina fest, wo Jürgs Familie, Cäsar, David und Gabriela uns empfingen. David war 500 sm auf der Anastasia mitgefahren.

Am 28.4. April verliessen wir Lefkas und erlebten einen herrlichen Segeltag bei 3-4 Beaufort Wind in der Inlandsee. Die BAZILLUS-crew bestand aus Meini, Cäsar, Sohn David, Freundin Gabriela und mir. Abends dinierten wir in Ormos Spili auf Meganisi, wo uns Gastwirt Babis wie jedes Jahr persönlich am Steg in Empfang genommen hatte.

Ormos Spilia bei Babis

Am folgenden Tag ging unsere Reise unter Segeln weiter, Etappenziel war Fiskardo auf der Insel Kefalonia, wo uns gute Freunde, die Familie Germeni abends in ihrem Restaurant fürstlich bewirtete. Zuvor wurden Geschenke für die Daheimgebliebenen im Souvenirladen von Maria eingekauft (Irida Cafe und Boutique).

Der Wetterbericht kündigte starke Winde und Regen aus Südost an. Bei Regen und 7 Windstärken verliessen wir Fiskardo, Oelzeug und Schwimmwesten waren angezogen. Mit achterlichem Wind  glitten wir über die Wellen, nur mit halb ausgefahrener Genua erreichten wir 7,5 kn

Cäsarengruss in Strasse von Kefalonia

Viel zu schnell (Gabi) waren wir in Vasiliki, dem südlichsten Ort auf der Insel Lefkas.  Der Regen hörte am Nachmittag auf. David und Gabi mieteten eine Vespa und fuhren an die Traumstrände an der Westküste von Lefkada, 

Der 30.April bescherte uns schönes Segelwetter mit leichtem Wind von Süd. Wir beschlossen die kleine, der Küste vorgelagerte Insel Kastos anzulaufen. Die 25 Seemeilen durch die Inlandsee legten wir gemütlich unter Vollzeug(Grosssegel, Genua und Fock) zurück. Im kleinen verschlafenen Hafen Kastos lagen ausser uns nur noch 2 kleinere Schiffe. Die Taverne am Hafen war geschlossen. Das oberhalb des Dorfes gelegene Restaurant war eigentlich auch noch im Winterschlaf.  Der  Wirt war vor 2 Tagen von Athen her angereist. Er erkannte uns wieder und öffnete eigens für uns seine Taverne: griechische Gastfreundschaft, gegrillter Fisch, Wein, selbstgebrannter Schnapps und herrliche Rundsicht über Meer und Inseln.

17,6 Grad warm war das Wasser als das erste Bad im Meer angesagt war (für den Skipper eindeutig zu kalt). Zur Freude des Tages präsentierte uns Meini einen 1 1/2 fachen Salto ab der Reling.

Meini 1 1/2 facher Salto

Ultimativ, das was nachher kam. Mit raumem Wind aus Südost durchpflügte BAZILLUS mit bis anhin nie erreichter Geschwindigkeit von 8,5 Knoten unter Gross und Genua das Ionische Meer. Kastos - Sami (Kefalonia) an Ithaka vorbei in Rekordzeit inklusive Ankerstopp in der Ziegenbucht ganz im Süden der Odysseus Insel. Wir waren im Geschwindikeitsrausch, einige Male zeigte der GPS über 9 Knoten, das lag über der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit. 

 

Zufriedener Skipper bei 8,5 kn

In Sami gab es ein Wiedersehen mit Cornelia Schympfky von Bavaria horse riding. Letztes Jahr führte uns Frau Schympfky mit ihren Haflinger Pferden zu verlassenen Dörfern, die als Kulisse zu den Dreharbeiten des Films Corellis Mandoline mit Nicolas Cage und Penelope Cruz dienten. Ein Ausritt am folgenden Tag war nicht möglich. Schlechte Wetterprognosen zwangen uns zur vorzeitigen Umkehr Richtung Preveza ( www.kefaloniathewaytogo.com).

Am 2. Mai ankerten wir für einen kleinen Zwischenhalt im Stenu Meganisiu hinter einer kleinen Insel. Gabi hatte bei diesem Badehalt den 1. Teil der Seemannsprüfung abzulegen, 1 Runde ums Schiff bei 17 Grad Wassertemperatur, Logstand 169 Seemeilen.

Seemannsprüfung Teil 1

Ein Nachtessen bei Babis in Ormos Spilia war angesagt. Ein zweites Treffen mit Anastasia fand wegen starken Winden nicht statt. Anastasia lag zu diesem Zeitpunkt in der geschützten Ankerbucht Vlichon. 

Früh am Morgen des 3. Mai motorten wir bei Regen an der Onassis Insel Skorpios vorbei, dann  ging die Fahrt durch den Lefkas Kanal. Fahrplanmässig öffnete sich  die Brücke um 13 Uhr bei der Nordeinfahrt des Kanals. In der Strasse von Preveza erwischte uns die vom Wetterfax und Wetterfrosch Rickli www.rickli@affolternamalbis.ch vorausgesagte Kaltfront mit Sturmböen von 7 bis 8 Beaufort. 

Sturm in Preveza Strasse

Abends lagen wir vor Buganker im Hafen von Preveza. Am 4. Mai folgte ein Abstecher in den geschützten ambrakischen Golf. Ein einzelner Delfin begleitete uns eine Zeitlang. Während einer Stunde glitt BAZILLUS nochmals mit Spitzengeschwindigkeit durchs Brackwasser

Die Crew wollte unbedingt einmal ein Reffmanöver durchführen. Aus der Uebung wurde Ernstfall, innerhalb weniger Minuten erwischte uns eine weitere Böenfront und zwang uns zur Umkehr nach Preveza. Dort hatten wir über 3 Stunden bis BAZILLUS richtig vertaut am Quai lag. Sämtliche Fender, mehrere Springs und das Gangway-Brett mussten zur Sicherung verwendet werden. Der Wind bliess so ungünstig in den Hafen von Preveza, dass Liegen sehr unangenehm wurde. 

Am nächsten Morgen flaute der Wind für kurze Zeit ab. Ohne Frühstück benutzen wir die Windpause und motorten über die Preveza Strasse zur gegenüberliegenden Cleopatra Marina, wo uns der Kranführer alsbald an den Haken nahm. 201 Seemeilen, 2/3 davon gesegelt war die Bilanz dieses Frühjahrstörns. David hatte damit seine Meilen für den B-Schein geschafft.

Auf dem Trockenen absolvierte Gabi noch den 2. Teil der Seemannsprüfung. Bei Starkwind kletterte sie mehrfach gesichert auf den Masttop.