
Die diesjährigen Sommerferien begannen für uns am 14. Juli 2002. Die Minoan Lines Fähre Prometheus brachte uns in 24 Stunden von Venedig nach
Igoumenitsa. Nochmals 2 Stunden dauerte dann die Autofahrt nach Lefkas, diesmal erstmals durch den neu eröffneten Tunnel unter der Einfahrt zum ambrakischen Golf.

BAZILLUS stand schon in Lefkas und Meiny, der wiederum 2 Wochen auf dem Schiff gearbeitet hatte, erwartete uns lachend. Die Besatzung für die 2. Reise in diesem Jahr bestand aus Ursula, den Kindern Rebekka, Anna, Jonas, Jael und Fabian, dessen Freundin Helen und den langjährigen Freunden Christine und Otto
Guggenbühl. Fabian und Helen waren kurzfristig zugestiegen. Sie hatten das Zelt mitgenommen und beabsichtigten einige Tage auf BAZILLUS zu bleiben.

Am 19. Juli legten wir in Lefkas ab und verholten das Boot in die grosse Bucht
Vlichon. Am folgenden Tag ging die Reise unter Motor an Skorpios vorbei zur Abelaki Bay in
Meganisi. Heisses Sommerwetter und 25 Grad Wassertemperatur luden uns zu einem mehrtägigen Aufenthalt an diesem schönen Ort ein. Abelaki Bay hat sich seit 1999 durch den Bau der Küstenstrasse verändert, ist nicht mehr so abgelegen und idyllisch aber nach wie vor ein sehr schöner Ort zum Verweilen. Aus der ursprünglichen einfachen Abelaki Taverne haben Elisabetta, eine gestrandete Seglerin aus Italien und ihr Partner ein Restaurant mit lieblichem Ambiente gemacht, wo wir mit köstlichen italienischen und
griechischen Speisen verwöhnt wurden. Die zweite in der Bucht gebaute Taverne beschallte die Bucht zeitweise mit lauter Musik. Die Segelgäste zogen es aber vor, in der Oase von Elisabetta einzukehren. Am Samstag gab es zum Abschluss in der Abelaki Bay ein Konzert.

Ein französischer Maler auf der Gitarre und ein deutscher Orchestertrompeter improvisierten jazzige Musik.
Auf Abelaki begegneten wir auch um ersten Male unseren neuen Freunden. Kontakt kam zu Stande wie jedes Jahr über die Kinder, die in Elisabettas Garten herumtollten. Helga, Donald, Alexander (10) und Mareike (8) aus Frankfurt lagen mit ihrem Schiff STIX auch in einer benachbarten Ankerbucht. Sie waren mit ihrer Segeljacht schon seit 3 Wochen unterwegs. Weil wir alle uns sofort verstanden, beschlossen wir, uns wiederzutreffen. Wir mussten am Sonntag nach Lefkas zurückfahren, wo ich Kinder und Pferde von griechischen Freunden impfen musste. Theo und Johanna sind für uns zu einem wichtigen Stützpunkt in Griechenland geworden. Sie betreiben das Lefkas Marine Centre und helfen uns beim jährlichen Papierkram, der dieses Jahr noch um ein amtliches Dokument grösser geworden ist. Auch sonst sind diese lieben Leute immer für uns da. Theo und Johanna sind für alternative Medizin eingestellt, behandeln ihre Kinder und Pferde homöopathisch und ich helfe Ihnen mit meinem Wissen dabei.
Rebekka und Alexander hatten bereits via Natel und SMS vereinbart, dass wir uns noch am selben Abend in
Sivota, einem Ort im Süden zu treffen hätten. Schon nach wenigen Stunden hatten die Kinder Entzugserscheinungen, also beschlossen wir, noch am Sonntagabend nach Sivota zu fahren, welches wir beim Einnachten erreichten. Erstmals konnten wir auf dieser Fahrt Segel setzen. Wir waren seit 3 Jahren nicht mehr an diesem Ort gewesen, der uns diesmal zum Verweilen einlud. Obwohl gegen Hundert Jachten in diesem natürlichen Hafen lagen, fühlten wir uns wohl. Erstaunlicherweise tönte aus keiner der vielen netten Tavernen laute Musik. ZweiTage blieben wir, und ich konnte mein erstes Buch, den 10. Brunetti Krimi fertiggelesen. Die Kinder haben wir fast die ganze Zeit nicht mehr gesehen.

Die nächste Etappe unserer Reise führte nach Kastos, der kleinen Insel, südöstlich von Lefkas in der sogenannten Inlandsee. Kastos ist zweifellos unser
Lieblingsort. Wir machten an der äusseren Mole fest. Eine Stunde später gesellte sich auch die STIX mit ihrer Besatzung dazu.
Drei Tage blieben wir auf unserer Insel, Baden, Wandern, Lesen, Nichtstun. Eigentlich ein idealer Ort für Verliebte, um ein Zelt aufzuschlagen und sich an einen der unzähligen vielen Strände zurückzuziehen. Wir hätten dies getan vor 30 Jahren, nicht so aber Helen und Fabian, die sich offensichtlich wohl fühlten auf BAZILLUS und dessen Annehmlichkeiten schätzten. Wir hätten uns zwischendurch etwas mehr Platz gewünscht. So blieb das neue Zelt von Helen unbenutzt.
Am Mittwoch, 24. Juli weckte uns morgens früh fernes Donnergrollen, eine schwarze Wolkenwand stand über der Insel. Wenig später fegten die ersten Gewitterböen über die Berge hinunter. Noch lagen wir gut an der Aussenmole in
Kastos, eine Stunde später, nachdem der Wind gegen Süden gedreht hatte, entstand ein unangenehmer Schwell im Hafen. Wegen des angesagten schlechten Wetters
beschlossen wir zusammen mit STIX die nördlich gelegene grössere Nachbarinsel Kalamos anzulaufen. Dort wurde letztes Jahr ein neuer grösserer Hafen gebaut. Kaum zu glauben, bereits 9 Monate nach Fertigstellung, zerfällt das Bauwerk, so schludrig wurden die mit EU-Geldern gesponserten Bauarbeiten ausgeführt. Ueberall Risse im Beton, grosse Poller lagen wegen durchgerosteten Armierungseisen bereits im Wasser.
Kalamos verliessen wir am drauffolgenden Tag. Ein letztes Mal sollte die Sonne für einige Stunden scheinen. Ein milder Westwind brachte uns unter Segel zurück zur Insel
Meganisi. Wir beschlossen, nach Ormos Spili, einer Bucht beim Hauptort Spartochori zu fahren, da noch schlechteres Wetter angesagt war. Ormos Spili hat sich in den lezten 3 Jahren sehr verändert, nicht zum Nachteil. Ein richtiger Hafen und eine schöne Mole ist entstanden. Der Tavernenwirt Babis versteht sein Geschäft ausgezeichnet, ob Megayacht oder Kleinstkreuzer, jedes Schiff wird von ihm persönlich begrüsst und vertäut. Auch bei uns sprang er an Bord und setzte den Anker fast 100 Meter draussen in der Bucht, so dass wir sicher an der neuen Mole anlegen konnten. Die folgenden Tage brachten Dauerregen immer wieder mit Blitz und Donner. BAZILLUS und STIX lagen für mehrere Tage sicher vertäut in Ormos
Spili. Man besuchte sich gegenseitig auf den Schiffen, schlief, ass und las. Eine kurze Aufhellung wurde benutzt, um den Ort Spartochori zu besuchen. Zeitweilig war es eng, feucht und kalt auf den Schiffen, die Stimmung gedrückt. Angeblich soll es im Sommer noch nie so lange geregnet haben. Am Montag, 29. Juli legte STIX im Morgengrauen bei strömendem Regen ab, Stunden später war deren Reise am Kran der Cleopatra Marina zu Ende. Wir motorten ebenfalls bei Nieselregen gegen Mittag desselben Tages nach Levkas und vertäuten BAZILLUS bei Theo. Unsere neuen Freunde von der STIX haben wir dann am folgenden Tag noch auf Flugplatz begleitet. Wir hoffen alle, dass wir uns bald wiedersehen werden.

Den restlichen Tag musste BAZILLUS für die neue Crew gereinigt und gepflegt werden. Am Abend des 30. Juli zeigte sich dann die Sonne bei Regen wieder einmal am Himmel. Ein wunderschöner Regenbogen stand im Osten am Himmel. Eine Fahrt mit Theo und seiner Familie nach
Kiria, einem 800 m hochgelegenen Ort auf Levkas und ein gemeinsames Nachtessen war das Abschlussereignis unseres diesjährigen Familientörns. Nach einer kurzen Nacht, mussten wir um 5.30 Uhr losfahren, um die Fähre in Igoumenitsa zu erreichen.
